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04
2016

Frühsportler trotzen Kälte und Nässe in der Kasseler Goetheanlage

Es ist ungemütlich. Das Aprilwetter macht seinem Namen alle Ehre. Noch dazu ist es richtig früh an diesem Dienstagmorgen. 6.15 Uhr nämlich. Doch bei gerade einmal zwei Grad Außentemperatur scheinen erstaunlich viele Sportler auf den Straßen im Vorderen Westen unterwegs zu sein. Für viele ist das Ziel die HNA-Fitnessaktion 06:30, die in der Goetheanlage stattfindet.
Regen, Schnee, im schlimmsten Fall sogar beides: Winter-Wetter bestimmte die vergangenen Tage, nicht warmer Sonnenschein. Vergangene Woche, zum Start von 06:30, nahmen rund 100 Teilnehmer am Training unter Regie der Fitnessexperten Hania Lazaar und Sascha Seifert, zugleich Fitnessexperte unserer Zeitung, teil. Aber an einem nasskalten Morgen wie diesem? Fitness in Pfützen? Anscheinend kein Problem für die fast 70 Sportbegeisterten, die sich um halb sieben auf dem Basketballplatz der Grünanlage eingefunden haben.
Aus allen Ecken sind sie gekommen: mit dem Fahrrad, dem Hund, zu Fuß oder im Auto – sogar die Parkplätze in unmittelbarer Nähe zum Trainingsplatz sind voll. Der Polarwind der vergangenen Tage hat glücklicherweise nachgelassen. Und das Wasser kommt heute nicht von oben, sondern spritzt nur aus den großen Pfützen. Richtig dick eingepackt ist Julia Fink aus Kassel. Sie ist zum ersten Mal dabei, aber schon bestens vorbereitet: „Ich habe so ein Wetter erwartet. Mit meiner Kleidung friere ich auch nicht, die Vorbereitung war also gut. Nur bei Regen wäre ich zu Hause geblieben“, sagt die gebürtige Bayerin.
Deutlich spartanischer ausgerüstet ist Tobias Eiss. Keine Isomatte oder Handtuch, keine Mütze und keine Handschuhe schützen ihn vor der Witterung. Und: Er trägt kurze Hose. „Lange Klamotten und Sport passen für mich einfach nicht zusammen. Alles eine Frage der Gewöhnung“, erklärt der Softwareentwickler, der sonst bei Marathonläufen zu finden ist. Ob er deswegen keine Schwierigkeiten mit widrigen Aprilwetter-Bedingungen hat? „Das kann gut sein“, sagt der 24-Jährige. „Eine halbe Stunde früher würde es mir sogar noch besser passen“, sagt Eiss, der ursprünglich aus Leonberg bei Stuttgart kommt. Das erste Mal soll jedenfalls nicht das letzte Mal gewesen sein: „Ich komme auf jeden Fall wieder, das war richtig klasse.“ Übungsleiter Sascha Seifert gibt währenddessen alles, damit die Mitstreiter Kälte und Nässe vergessen. Ein lockerer Spruch hier, ein kleiner Witz da – während des Aufwärmens sind noch einige Lacher zu hören. Dann steht die erste Übung an – Liegestütz. Handschuhe und Matte sind spätestens jetzt von Vorteil. Die Menge ist nun deutlich stiller, lediglich ein paar Stöhngeräusche sind zu hören.
Nach dem Klassiker der Fitnessübungen wird in die Rückenlage gewechselt, Beinheben ist dran. Einigen ist anzusehen, dass sie in diesem Moment lieber im warmen Bett liegen würden. Die Handschuhe sind vom Aufstützen auf dem nassen Boden von Nässe durchweicht, die Trainingskleidung von Schweiß. Es gibt Applaus für die Trainer.
Und gerade als die Teilnehmer verschwunden sind, zeigt sich erstmals an diesem Tag die Sonne. Die Vögel starten jetzt voll durch. Der Frühling kommt also doch.

 

Donnerstag geht es weiter: 6.30 Uhr in der Goetheanlage.