30
03
2016

„Es kribbelt schon vor dem Training“

Ein Interview zu unserer neuen Aktion 06:30, das sollte natürlich auch morgens geführt werden. Also: Auf zur Goetheanlage in Kassel, kurz nach dem Aufstehen, ein Treffen mit den drei Initiatoren. Sascha Seifert und Sascha Gundlach haben – wie in den vergangenen Wochen zur Vorbereitung unserer Aktion auch schon – trainiert, Frank Ziemke kommt gerade von zu Hause.

Die Herren, wie groß war heute Morgen der innere Schweinehund, den es zu überwinden galt?
Gundlach: Mittlerweile ist der gar nicht mehr so groß. Bei mir überwiegt eher die Freude auf das Training. Ich habe Respekt davor, aber vor allem Lust darauf. Häufig stehe ich um vier Uhr auf, um zu arbeiten. Dann habe ich mir gedacht: Wenn ich das hinbekomme, dann ist 6.30 Uhr ja ein Klacks.
Seifert: Bei mir gibt es solche und solche Tage. Wirklich schwer fällt mir das Aufstehen, wenn ich abends zuvor länger unterwegs war oder es morgens regnet oder schneit. Dann heißt es: Augen zu und durch.

Augen zu – oder doch eher: Augen auf?
Seifert: Augen auf und durch – das passt vielleicht besser. Stimmt.
Ziemke: Ehrlich gesagt: Ich bin noch zu müde, um den inneren Schweinehund besiegen zu können. Vielleicht sollte ich erst mal frühstücken.
Seifert: Davon rate ich ab – zumindest vor dem Training. Die bessere Fettverbrennung erreichst du, wenn du morgens auf nüchternen Magen trainierst.

Und danach dürfen die Trainierenden einfach zuschlagen, was das Essen angeht?
Seifert: Zumindest sollten sie bis mittags keine Kohlenhydrate zu sich nehmen, um das Training mit einem positiven Effekt zu verbinden: dem Abnehmen.
Gundlach: Ein Stückchen Ahle Wurscht geht also.
Seifert: Aber nur ein kleines Stückchen – als Belohnung.

Welche Erfahrungen haben Sie denn schon gemacht mit dem Training um 6.30 Uhr?
Gundlach: Körperlich ist das heftig. In der ersten Woche habe ich bei den Übungen meine Grenzen zu weit überschritten und bin abends nur noch gebückt gelaufen, weil ich jeden einzelnen Muskel gespürt habe. Mittlerweile freue ich mich auf diesen Zustand der Fitness. Es kribbelt schon vor dem Training.
Seifert: Der Muskelkater ist noch da. Aber so soll es sein. Das Training kostet Überwindung und strengt an. Aber danach startet jeder fit in den Tag.
Gundlach: Die Gruppe hilft einem und spornt an. Allein wäre ich nicht so motiviert.
Ziemke: Deshalb herrscht bei mir auch eine große Vorfreude auf die Aktion. Es wird spannend sein zu sehen, wie sich die Gruppe und die Aktion entwickeln.

Wie ist denn überhaupt die Idee zu 06:30 entstanden?
Ziemke: Wir haben gemerkt, dass wir auf Fitnessthemen, die wir seit zwei Jahren unter dem Begriff „Bewegung für Nordhessen“ umfangreich aufnehmen, eine enorme positive Resonanz haben – gerade auch bei jenen Aktionen, bei denen sich Leser bewerben konnten. So haben Sascha Seifert und ich uns überlegt, was wir anbieten können, um alle mit einzubeziehen. Wir wollen niemanden ausgrenzen. So sind wir ziemlich schnell auf den Frühsport unter freiem Himmel gekommen. Um die Zeit kann fast jeder – und eine räumliche Begrenzungen gibt es auch nicht.
Seifert: Einen Versuch sollte es wert sein. Fit in den Tag zu starten, ist schließlich ein ganz besonderes Erlebnis.
Ziemke: Aber auch wenn man – wie ich gestern – bis 23 Uhr gearbeitet hat?
Seifert: Auch dann, wobei die Aktion für Nachtarbeiter nicht so geeignet ist. Sieben bis acht Stunden Schlaf sollten schon sein vorher.

Was versprechen Sie sich von der Aktion?
Ziemke: Es ist das erste Mal, dass wir so etwas anbieten. Wir hoffen, dass möglichst viele mitmachen und sich die Aktion zu einer breiten Bewegung entwickeln kann. Wir wollen die Leute im wahrsten Sinne des Wortes bewegen.
Seifert: Und das eben nicht abends, sondern morgens, wenn es mehr bringt.
Gundlach: Ich war dann der erste Jünger. Als ich von der Aktion gehört habe, war ich gleich begeistert. Das war Weihnachten, ich war vollgefressen und wusste: Ich muss endlich was tun. Jetzt tue ich was.
Ziemke: Genau solche Leute wollen wir ansprechen. Und wir wollen, dass sie mit Spaß Sport treiben.
Gundlach: Zu einer Zeit, in der es eigentlich keine Ausreden gibt.

Und jetzt: Ab nach Hause und frühstücken?
Seifert: Ich muss gleich in die Praxis. Der erste Patient kommt um acht Uhr.
Gundlach: Ich hole erst einmal Brötchen – aber nur für meine Frau und meine Tochter.
Ziemke: Ich brauche erst einmal Kaffee. Das ist noch nicht meine Uhrzeit. Und dann werde ich erst einmal in Ruhe Zeitung lesen.